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Wasser-Wissen

Hier erhältst du alle wichtigen Infos

Zuhause einfach so Wasser aus dem Hahn trinken? Im Sommer einfach so in Seen und Flüssen baden? Sanitäreinrichtungen einfach so nutzen können? Das alles ist für uns hier in Deutschland selbstverständlich. Doch was steckt eigentlich hinter dieser Selbstverständlichkeit von sauberem, überall frei zugänglichem Wasser? – Ein gut funktionierendes Wasser-Recycling. Auf dieser Seite erhältst du alle wichtigen Infos rund um das Thema „Wasser-Wissen“.

Zum Abwasser zählen hauptsächlich Schmutzwasser, Mischwasser, Niederschlagswasser, aber auch Fremdwasser. „Schmutzwasser“ ist das, was die meisten Menschen unter Abwasser verstehen. Es ist das Wasser aus Bad, Küche und Keller bei Dir Zuhause. „Mischwasser“ setzt sich aus Schmutz- und Regenwasser zusammen und wird im selben Kanalsystem zur Kläranlage geführt bzw. zusammengeleitet. „Niederschlagswasser“ ist überwiegend Regenwasser und im Prinzip sauber. Da es aber von schmutzigen Straßen und Gebäuden in unsere Kanalisation läuft, gilt auch Niederschlagswasser als Abwasser.

„Fremdwasser“ ist ein in die Kanalisation unerlaubtes eindringendes unverschmutztes Wasser, zum Beispiel hervorgerufen durch Fehlanschlüsse oder undichte Kanäle. Es gehört eigentlich nicht in den Abwasserkanal. Denn Abwasser ist durch häuslichen, industriellen und landwirtschaftlichen Gebrauch verunreinigtes Wasser.

Abwasserbehandlung

Deutschland in Europa die Nummer 1

Über 80 % der Abwässer weltweit gelangen ungeklärt wieder in den Wasserkreislauf.

In Europa ist Deutschland bei der Abwasserbehandlung die Nummer 1. Fast alle Haushalte sind an die öffentliche Kanalisation angeschlossen.

  • Über 97 % des Abwassers aus Privathaushalten und Industrie wird in rund 10.000 Kläranlagen geleitet und dort gereinigt.
  • Die restlichen 3 % der Bevölkerung leiten ihr Schmutzwasser in Sickergruben oder Kleinkläranlagen.
  • Alle Abwasserkanäle in Deutschland sind insgesamt ca. 594.000 km lang.

In Deutschland darf Abwasser nicht ungeklärt in Flüsse und Seen gelangen – dafür sorgt das Wasserhaushaltsgesetz (WHG). Es schreibt vor, dass alle im Abwasser enthaltenen Schadstoffe (soweit technisch machbar) reduziert werden müssen.

133000 km
Regenwasserkanäle
247000 km
Mischkanalisation
214000 km
Schmutzwasserkanäle

WUSSTEST DU, …

dass alle Abwasserkanäle in Deutschland zusammen auf eine Länge von 594.000 Kilometer kommen?

Das ist die Entfernung von der Erde bis zum Mond ... und zur Hälfte wieder zurück!

Kläranlagen

Der Reinigungsprozess des Abwassers

In Deutschland gibt es etwa 10.000 öffentliche Kläranlagen, die jährlich rund 9,8 Milliarden Kubikmeter Abwasser reinigen.

Private Haushalte und Industrie verursachen davon etwa fünf Milliarden Kubikmeter Schmutzwasser, etwa drei Milliarden Kubikmeter sind Niederschlagswasser. Der Rest ist größtenteils Fremdwasser, das über undichte Stellen ins Kanalnetz einsickert.

In den Kläranlagen gibt es in der Regel drei Reinigungsstufen:

1) Mechanische Reinigung

Die erste Stufe ist die „mechanische Reinigung“: Hierbei werden durch Rechen und Siebe sowie Sedimentationsprozesse etwa 30 Prozent der Schmutzstoffe wie zum Beispiel Hygieneartikel, Holzpartikel und Gestein entfernt.

2) Biologische Reinigung

Die zweite Stufe ist die „biologische Reinigung“: Durch Mikroorganismen wie beispielsweise Bakterien werden organische Stoffe weiter abgebaut. Dabei entsteht Schlamm – der so genannte Klärschlamm. Danach ist das Abwasser bereits von 90 Prozent aller Schmutzstoffe befreit.

3) Chemische Reinigung

Die dritte Stufe ist die „chemischen Reinigung“: Durch die Zugabe von chemischen Substanzen werden die weiteren Schmutzstoffe entfernt.

Weitergehende Reinigungsstufe

In manchen Bundesländern, vor allem aber in Baden-Württemberg und NRW, gibt es bereits Kläranlagen mit einer vierten bzw. weitergehenden Reinigungsstufe. Diese soll Grundwasser belastende Spurenstoffe bzw. Mikroschadstoffe – wie beispielsweise die Rückstände von Arzneimitteln, wie der Antibabypille oder Röntgenkontrastmittel, oder von Kosmetikprodukten – aus dem Abwasser herausfiltern.

Studien haben gezeigt, dass z.B. durch hormonelle Spurenstoffe, die in Gewässer gelangen, der Fischbestand gefährdet ist. Denn die Hormone führen zu einer Verweiblichung der Fische. Die weitergehende Reinigungsstufe ist daher notwendig, um die Tiere und Pflanzen in Gewässern und Umwelt auch zukünftig zu schützen.

Das gereinigte Abwasser wird nach den Reinigungsprozessen in die Gewässer zurückgeleitet. Trinkwasserqualität hat es dabei aber noch nicht. Dafür wird das Wasser aus Flüssen und Seen entnommen und durch weitere Reinigungsprozesse bei der Wasseraufbereitung behandelt.

Klärschlamm

Klärschlamm hat es in sich

Der Klärschlamm, der in der zweiten Stufe bei der biologischen Behandlung anfällt, besteht u.a. aus Abwasser, Mikroorganismen und Nährstoffen wie Stickstoff und Phosphor. Der Schlamm kann Schadstoffe wie Schwermetalle, Arzneimittelrückstände, Kunststoffreste und Krankheitserreger enthalten.

Noch heute wird der Klärschlamm unter Einhaltung verschiedener Qualitätskriterien für die Düngung in der Landwirtschaft verwendet, da er neben Stickstoff auch Phosphor enthält, der als Düngemittel unverzichtbar ist. Diese Praxis wurde in Deutschland wegen der Menge der im Klärschlamm enthaltenen Schadstoffe mittlerweile deutlich reduziert.

Seit einigen Jahren werden neue Rückgewinnungstechniken für den im Klärschlamm enthaltenen Phosphor entwickelt. Warum das wichtig und Phosphor so wertvoll ist? Weil die natürlichen Phosphorvorkommen der Erde begrenzt sind. Experten gehen davon aus, dass die einfach zugänglichen Phosphorreserven in etwa 300 Jahren endgültig aufgebraucht sind.

Phosphor ist aber ein wichtiges Nährelement für Pflanzen und lässt sich in der Landwirtschaft nicht ersetzen. Lösungen müssen also her. Eine davon ist die Phosphor-Rückgewinnung aus Abwasser. Ab 2029 bzw. 2032 wird sie für alle Kläranlagen in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben.

© DWA-Fotowettbewerb 2016 / Thomas Wilhelm für Eigenbetrieb Stadtentwässerung Mühlacker

Herausforderungen

Besondere Herausforderungen – aktuell und in Zukunft

Die größte Herausforderung für unsere Abwasserbehandlung aktuell und in der Zukunft sind Schadstoffe im Abwasser, die lange Zeit unbeachtet blieben. Dazu zählen z.B. Antibiotika , Arzneimittelrückstände und Inhaltsstoffe aus der Kosmetikindustrie, die schon in kleinsten Mengen über die Zeit schädlich wirken können.

Das hat Konsequenzen für unsere Gesundheit und für die Natur und Tierwelt. Unsere aktuellen Verfahren können solche Spurenstoffe noch nicht vollständig aus dem Abwasser filtern. Eine neue europäische Richtlinie, die Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) gibt seit 2025 vor, dass große Kläranlagen die Spurenstoffe bis 2045 weitestgehend entfernen müssen.

Es existieren bereits Technologien zur Entfernung von Spurenstoffen, so zum Beispiel Adsorptionsverfahren mit Aktivkohle, Oxidationsverfahren mit Ozon, sowie geeignete Membranverfahren. Diese Verfahren werden auf immer mehr Kläranlagen als 4. Reinigungsstufe eingesetzt, um Spurenstoffe zu entfernen.

© DWA NRW

Nachhaltigkeit

Wasserschutz = Umweltschutz = Klimaschutz

Du siehst: Unser sauberes Wasser und die problemlose Abwasserentsorgung und -aufbereitung ist keine Selbstverständlichkeit. Es steckt eine Menge Arbeit und viel Technologie dahinter. Eine Leistung, die in vielen Ländern dieser Welt (noch) nicht existiert – in welcher Deutschland aber zur Weltklasse zählt.

Damit das auch so bleibt, wird viel investiert und geforscht, denn Wasser wird in Zukunft immer wichtiger werden. Nicht nur in Deutschland, sondern der Welt. Schon jetzt haben 2,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. 55 Prozent der Weltbevölkerung haben zudem keine verfügbaren Sanitäranlagen. Der Klimawandel verstärkt diese Wasserproblematik noch.

So sagt Ulla Burchardt, Vorstandsmitglied der Deutschen UNESCO-Kommission, im UN-Weltwasserbericht 2020:

„Wir reden oft über Wassermangel und drohende Wasserkonflikte, aber zu wenig darüber, dass Wasser Teil der Lösung der Klimakrise ist. Effektive Bewirtschaftung von Wasser trägt zu Klimaschutz und wirksamer Anpassung an den Klimawandel bei. Wir müssen Wasser effizienter nutzen, unnötige Wassernutzung und Wasserverluste vermeiden. Gleichzeitig kann beispielsweise Abwasseraufbereitung Treibhausgase reduzieren und zur Energiegewinnung genutzt werden.“

Wasserschutz ist also gleichzusetzen mit Umwelt- und mit Klimaschutz.

Wenn Du Deinen Teil dazu beitragen möchtest und momentan auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz bist, informiere Dich hier weiter über Deine Möglichkeiten: Sei Teil der Lösung und nicht des Problems.

Wasser geht uns alle an.

© ARochau - stock.adobe.com

Direktkontakt:
wasser-allesklar@dwa.de

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